Texte

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Aus Solidarität

Heute war ich sehr empfindsam und intim sein wollt ich auch,

Und ich tanzte bis ich schwitzte viel zu nah an seinem Bauch,

Und Du schwitztest mir entgegen aus Solidarität,

Und ich war am überlegen was ich alles mit Dir tät.

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Als dann deine zarte Zunge sich in meinen Mund begab,

Dachte ich mir: Junge, Junge… Diese Frau, die ist begabt!

Und wir knutschten bis zum Wahnsinn, wurden ziemlich indiskret,

Und alle Leute mussten’s mit ansehen aus Solidarität.

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Dein Haar duftete nach Frühling, Du warst voller Leidenschaft,

Und am heißen Atem füllt’ ich: So, das meiste ist geschafft!

Und dann meinte ich beklommen: „Ich hab ein selbstgebautes Bett,

Und Du solltest mit mir kommen aus Solidarität.“

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Doch dann wurdest Du verlegen: Ach das geht mir viel zu schnell!“

Ich entgegnete: „Von wegen, sie mal raus – es ist schon hell,

Es ist Paarungszeit, mein Täubchen, wir versäumen aller Hand!“

Doch Du schwiegst und drehtest Däumchen – das war nicht in meinem Plan.

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Also bracht’ ich dich nach Haus’ von der Liebeslust geplagt,

Und ich hoffte noch durchaus, dass dein Zögern bald versagt,

Doch wir sprachen über Músik, über Kunst und Lebenssinn,

Und ich dacht mir: „Ist es müssig…“ – jede Stimmung war dahin.

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Und du sagtest „Bis die Tage, irgendwann das wäre mal nett.“

Und ich meinte: „Keine Frage.“ – aus Solidarität.

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Woher kommen Sie?

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Es gibt keine andre Frage, die ich weniger ertrage –

Es vergehen kaum zwei Tage ohne sie,

Seit ich hier in diesem Lande vor ´ner Ewigkeit gelandet

Geht es mir nicht aus den Ohren: „Woher kommen Sie?“

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Anfangs war ich noch bescheiden: Warum sollt ich es bestreiten?!

Ich komme aus den schneebedeckten Weiten, aus dem größten Land der Welt,

Es war nicht leicht es zu verlassen, es war nicht leicht es nicht zu hassen,

Ach, Sie haben keinen blassen wie’s sich dort verhält!

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Doch man meinte: „Jetzt ist Schluss, Mann! Was ist den dran an diesem Russland?

Wenn man Russe ist, dann muss man sich ganz ruhig verhalten, gell!?

Bei euch ist jedermann ein Linker, ein unwahrscheinlich guter Trinker,

Ihr tanzt den ganzen Tag Kalinka, und wollt doch hier nur unser Geld!“

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Oft bekam ich solche Sätze – es ist leicht mich zu verletzen

Und ich dachte mir: “Beim Nächsten löst du anders dein Problem!“

Und so hat ich auch alsbald ´ne Diskussion mit so ´nem Alten,

Und schon nach ein paar Worten meint’ er: „Woher sind Sie denn?“

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Und ich sage ich ihm: „Ich komme aus dem Staat Sierra Leone,

Da gibt es jede Menge Sonne und den blauen Ozean,

Da gibt es Palmen, da gibt es Früchte, gebräunte Frauen, und ich fürchte

Ich werde bald schon von hier flüchten in dieses wunderschöne Land!“

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Darauf sagt der Alte lässig: „Unser Klima ist gemäßigt,

Unsre Frauen sind auch nicht hässlich und statt Früchten haben wir Bier,

Statt den Palmen haben wir Eichen, statt den Ozeane Teiche,

Und im Gegensatz zu euch sind wir zivilisiert!“

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Darauf ich: „Moment… Sie meinen: Wir wären alle echte Schweine,

Wir hätten alle einen ’Kleinen’ – ich meine: Bildungsgrad,

Würden uns nur selten waschen, hätten Löcher in den Taschen –

Jeder hat doch seine Maschen, selbst wer keine hat!“

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Und ich blieb bei diesem Irrsinn: „Ach, Sie haben ja Recht, denn wir sind

Allesamt behängt mit Piercing, ja von Kopf bis Fuß,

Wir haben auch Sex mit Tieren – mai, das sollt’n Sie mal probieren:

Liebe auf allen Vieren – ist es ein Genuss!“

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Und ich wurde nimmer müde: „Ich hatte mal zwei süsse Brüder,

Aber eines schönen Abends hab ich sie verspeist.“

Und ich dacht’, dass er es wissen muss: „Sie haben Kapitalismus,

Und wir unseren Kannibalismus, und was ist daran so dreist?!“

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Doch kaum klang das letzte Wort nach, viel der alte prompt in Ohnmacht,

Und ich dacht mir: Lieber Gott, mach, dass er wieder spricht,

Und ich meint’: „Das sei ein Scherz, nun: Russland wär’ doch meine Zukunft!“

Und er brüllte: „Was? Ein Russe? Ist ja widerlich!“

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Und deswegen Freunde, leider, muss ich mich in Scherze kleiden,

Muss ich jeden Streit vermeiden – ohne Sinn,

Bin halt keiner von den Harten und ich bin auch schon am warten,

Dass mich jemand von euch fragt: „Woher kommen Sie?“

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Der verpasste Zug

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Mir ist die Deutsche Bahn verhasst – ich habe einen Zug verpasst

Und zwar so knapp nur um ein paar Sekunden,

Verdammt, ich hab mich so beeilt, mir heiße Pläne ausgefeilt –

Der nächste fährt wohl erst in ein-zwei Stunden.

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Der Bahnsteig ist so leer und grau und wie ein Geisteskranker schau

Ich trostlos in die unnahbare Weite

Und denke mir: „Was für ein Scheiß zu steh’n auf diesem leeren Gleis,

Da ich zu allen Wagnissen bereit bin.

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Oh, dieser Zug, es wär’ so schön, ich wurd’ vom Leben nicht verwöhnt,

Ich brauch ja keinen Platz in erster Klasse,

Ich will doch nur einwenig fort, von diesem unheilvollen Ort,

Von dieser steifen, undankbaren Masse.“

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Doch auch der Zug wär’ gut gefüllt und langsam hätt’ ich das Gefühl -

Mir ist nicht ganz so wohl in dieser Meute,

Bis jemand sagt: „Hör zu, du Narr: Setz dich doch mal in Richtung Fahrt,

Wie alle klugen, zielbewussten Leute!“

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Infolge setze ich mich um und durch die Scheibe schau ich dumm

Auf Orte mit den wunderlichsten Namen,

Hab ja auch sonst nichts mehr zu tun, und sitz blöd da und schau mich um -

Und neben mir ’ne etwas scheue Dame.

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Wir kommen zaghaft ins Gespräch – sie ist verlobt, was für ein Pech!

Was soll’s, ich wollt’ ja sowieso nur quasseln.

So mach’ ich halt ’nen scharfen Witz und es wird eng auf unsrem Sitz,

Und langsam kommen wir uns näher – quasi.

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Bald sind wir auch schon ’per Du’ und werfen uns ganz stürmisch zu,

Und werfen uns ganz stürmisch zu – verträumte Blicke und vertraute Sätze,

Und dann gibt’s ’nen Konsens: Wir tun’s! Und jeder spricht gleich über uns,

Und wundert sich warum das Klo besetzt ist.

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Es wär’ so schön, doch wie so oft kommt da der Schaffner unverhofft,

Und fragt mich ziemlich grob nach meiner Karte –

Hier wach ich auf und merk: „Verflucht, ich bin ja gar nicht in dem Zug,

Ich bin ja immer noch am Gleis und warte…

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Lebt wohl, ihr Träume, eilet fort

In einem Zug von da nach dort

Leb wohl, du meine ach so scheue Dame…

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Mir ist die Deutsche Bahn verhasst, ich habe meinen Zug verpasst,

So schnell wird’s einen zweiten wohl nicht geben,

Was soll’s, ich hab noch etwas Zeit, doch jemand hat zu mir gemeint:

Der Nächste fährt wohl erst im nächsten Leben.

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SourceURL:file://localhost/Volumes/Viktor_Extern/Aldiwein_aktuell.doc

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Aldiwein

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Ich kaufte einen Wein bei einem Aldi-Nord, er war durchaus genießbar,

Die Flasche leerte ich allein zu Aldinudeln mit ´nem Aldi-Ei.

Es war zwar für das Geld das Ei weiß Gott weiß-gelb, die Nudeln hatten Biss zwar,

Nur irgendwie verließ mich das Gefühl nicht: Etwas stimmt net! Alldieweil

Fragt’ ich mich immerzu: Warum, weshalb, was war nur falsch an meinem Festmahl,

Aß ich vielleicht zu schnell oder zu langsam oder kaute viel zu oft,

Womöglich dacht ich einfach zu viel nach, kann durchaus sein, vielleicht auch deshalb

Stieg mir der sonst so jahrgangsschwache Wein auf einmal viel zu schnell zu Kopf.

Es ging ganz einfach nicht in meinen ach so dicken Schädel wie’s denn sein kann

War mir auch durchaus klar, das viele Wissen macht die Suppe eh nicht Fett,

Doch fragte ich mich schon, ob es nicht einfach daran lag woher der Wein kam,

Das wird es sein, ich musterte minutenlang das bunte Etikett:

Nun ja, schon die Bezeichnung „Qualitätswein aus Deutschland“ fand ich witzig

Ein roter Spätburgunder aus Baden, feinherb-trocken, zwölf Prozent,

Und bei den ganzen Siegeln und Medaillen, trotzdem nur eins neunundsiebzig -

Wenn das keine Verarsche ist, drauf geb ich wirklich keinen müden Cent.

Was nützt das beste Prädikat, wenn es beschissen schmeckt – der Gaumen lügt nicht,

Doch kann’s auch sein – die Nudeln waren schlecht und legten mir ein faules Ei?

Vielleicht war so ein Huhn in seinem Stahl Zeit seines Lebens gar nicht glücklich

Wollt immer in die große weite Welt hinaus, und durfte nie. Jo mai,

Schau Dich doch selber einmal an, und sag, ist denn dein Leben wirklich anders

Bist du denn völlig vogelfrei und hattest jemals eine echte Wahl,

Und gibst Du dir die Kante jeden zweiten Tag nicht aus demselben Anlass

Und hat dein Dasein nicht genau den gleichen Wert wie dieser schlechte Wein?!

Die allerletzte Nudel hing belanglos und erschlafft von meiner Gabel

Mir war als hört ich Stimmen, was kein Wunder war – die Flasche war fast leer.

In meinem Rausch erschienen mir Gebrüder Albrecht wie der Kain und Abel,

Doch ich war zu erregt und zu betrunken um zu sagen: wer ist wer.

Und dann sah ich die Beiden beim Bankett, ein Streichquartett spielte Vivaldi

Man huldigte das Lebenswerk der Zwei als Deutschlands allergrößten Blöff,

Man trank ’nen teuren Wein, und eins war klar – er war bestimmt nicht aus dem Aldi

Und schüttete sich gegenseitig Koks ins alleredelste Gesöff…

Ich kaufte einen Wein bei einem Aldi-Nord, er war durchaus genießbar,

So langsam schwankte mein Verstand, ich konnte kaum mehr logisch denken und,

Ich gab es auf und lehnte mich zurück bis ich auf einmal mir gewiss war:

Es fehlt hier nicht mehr viel, ich komm der ganzen Sache bald schon auf den Grund.

So kippt’ ich auch den letzten Rest der Flasche in mich rein und ward vergeistigt,

Dass mein Problem tatsächlich ja viel größer ist und in dem Wein nicht steckt,

Dass wohl sein eigentlicher Wert in Wahrheit sogar über seinem Preis liegt,

Und dass es wieder mal ganz einfach so ist, dass es mir allein nicht schmeckt.

Wo bist Du nur… ich geh hier völlig ein und kann mich selbst nicht mehr ertragen,

Gib mir ein Zeichen, dass es dich noch gibt, ich bin des langen Wartens müd’,

Geht dir vielleicht das Selbe durch den Kopf oder mag sein gar durch den Magen,

Und kaufst Du etwa grad’ den gleichen Wein bei irgend so ´nem Aldi-Süd,

Und  fragst Dich immerzu: Warum, weshalb, was ist nur falsch an deinem Festmahl…

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SourceURL:file://localhost/Volumes/Viktor_Extern/Am%20seidnen%20Faden_2010.doc

Am seidnen Faden

Am seidnen Faden, wie am Strick, hängt nun mein Leben seit der

Verhängnisvollen Nacht bei einem feierlichen Event,

Ihr rotes Kleid – es schien antik, aus allerfeinster Seide,

In Wahrheit war’s vielleicht, wer weiß aus welchem Second Hand?!

Was soll’s, ich kannte mich nicht aus mit seltenen Gewändern,

Bei Frauen, die ich früher traf war solch eins nicht dabei,

Das Rot der Seide lockte mich, es war nicht mehr zu ändern,

Nicht mal von Hand, schon gar nicht von ’ner Änderungsschneiderei.

Aus lauten Boxen kam Musik, ich fragt mich, wie es denn sein kann,

Wer solch ein hohes Wesen lässt in diese Unterwelt,

Bald hielt ich mich am Tresen fest, als sie an mir vorbeikam,

Sie aber brauchte Einen, der sich mit ihr unterhält.

Sie stellte sich geradeaus vor: „Ich heiße Marianne!“,

Vielleicht hatt’ ich ein Glas zuviel, vielleicht war’s auch zu laut,

Denn so – halbtaub auf einem Ohr, vernahm ich „Ariadne“,

Und da nahm die Geschichte ihren mythischen Verlauf.

Beim Tanzen legt’ ich zögernd meine Hand auf ihre Schultern,

Sie wurde etwas schwach, als ich sie in die Enge trieb,

Ich rieb an meinem goldnen Ring, vielleicht war dies auch Schuld dran,

Dass ich mit meiner Hand an einer Faser hängen blieb.

Alsbald das Lied verklang, fand sie zurück zu alter Stärke

Und ging an ihren Platz – ich nahm den bösen Blick in Kauf,

Vielleicht hat sie nur so getan, als ob sie das nicht merke,

Wie dem auch sei, das rote Kleid, es dröselte sich auf.

Da war die Feier auch schon ‚rum – es gab ja auch keinen Wein mehr,

Und Jeder ging nach Haus’, zumindest seines Weges, nur

Konnte bei mir ja keine Rede sein von einer Heimkehr,

Wie sollt’ es auch anders sein – ich war ihr auf der Spur!

Ich folgte ihrem Faden – gleichwohl Fährte oder Finte,

Und wickelte ihn auf zu einem wundersamen Knäuel,

„Oh, Ariadne, lass mich rein in deine Labyrinthe,

Oh, habe keine Angst vor mir, oh, hab an mir kein’ Gräuel!“

„Was da wohl auf mich wartet dort am Ende meiner Irrfahrt,

Werd’ ich die Rätsel lösen – alle nur auf einen Schlag,

Welch Ruhm erwartet mich, welch Finderlohn und welche Tierart,

Die ich einmal besiegen soll bewacht dort ihren Schlaf?“

Was ihr auch sagt, ich weiß nur eins, ich brauch nur diese Eine,

Mein Geisterschiff irrt einsam ohne Hafen, ohne Ziel,

Denn selbst wenn frei auf hoher See – ich häng’ an ihrer Leine,

Die sich wie ’n roter Faden durch mein ganzes Leben zieht.

Selbst meine schwachen Segel sind aus diesem zarten Stoff nun,

Und auch wenn anfangs seekrank – bald gewöhn ich mich ans Fahr’n,

Und treibe mit dem Strom vorbei am Kapp der guten Hoffnung,

Und spin’ aus feinster Seide meinen groben Seemannsgarn.

Selbst unter den Piraten glaubt mir jeder diesen Blödsinn,

Und auch ich selbst find bald Gefallen an dem eig’nen Schwatz,

Und werde ihnen gleichtun, auch wenn meine Segel rot sind,

Und mach ich auf die Suche nach dem aussichtslosen Schatz.

Und diesen Kurs zu ändern hab ich leider schlechte Karten

Und kann bald nicht mehr sagen, wo das Festland, wo die See,

Und nur im Traum erscheint mir diese Eine und sie wartet,

Vielleicht auf mich, vielleicht auf ihre eigne Odyssee.

Viktor Hoffmann, Mai 2010

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SourceURL:file://localhost/Volumes/Viktor_Extern/Nichtig.doc

 

Nichtig

Weißt Du noch wie wir zwei damals war’n – wir war’n glücklich in unsren vier Wänden,

Grenzenlos war die Freud’, wir ham´ nie was bereut – so als gäb´ es nur Heut’,

Wir warn treu bis zum Schluss, immer neu war die Lust und sie wollte nicht enden -

Nur das Eine im Sinn , so als liebten wir uns in unsrem Bett wie im Heu.

Abends hast Du gekocht und mein Herz hat gepocht, wenn ich aus deiner Hand aß -

Deine Haut schmeckte salzig und Du lachtest als ich das Essen vergaß,

Tür und Fenster warn dicht, ein Gedanke an Dich war allein schon ein Anlass -

Du warst einfach in allem und es hat Dir gefallen, es machte Dir Spaß.

Klar, wir hatten nie Geld, doch was kostet die Welt, wenn man jung und verknallt ist

Und Du rauchtest und maltest uns beide auch wenn dir das Bild oft misslang,

Dich hat nie interessiert, was mit all dem passiert, wenn du irgendwann alt wirst

Und ich fand´s auch ´n Schmarn, wie die Meisten zu spar´n!”, doch die Zeit ging ins Land.

Manchmal jobbtest Du nachts in ´ner Bar und ich war so allein, als Du fort warst

Und wen auch immer Du dort trafst die bittere Wahrheit – sie kam nie ans Licht,

Ich schrieb an dem Gedichtband, wo ich mich an dich wand – wenn Du nur ein Wort last,

Hättest Du sicher lange geweint oder gemeint: “Ja, Du bist nicht ganz dicht!”

Aber Du hast nur gelacht und gesagt, dass ich irgendwann damit groß rauskomm’,

Doch wenn lang kein Applaus kommt wird selbst einer wie ich schon mal enttäuscht,

Neulich las ich zwar vor einer Frau, die seit kurzen in unserem Haus wohnt’,

Doch sie zuckte nur leicht mit den Schultern – ich glaube, sie sprach gar kein Deutsch.

Winter kam über´s Land, er war so übelst-lang und mir fiel wieder níchts ein,

Ich schrieb nur für die Tonne, du liefst rum oben-ohne, doch das ließ mich kalt,

Ich wurd´ zu Einem, der schläft nicht und sich nur beschäftigt mit: “Sein oder nicht Sein?”

Der die Zeit vor der Tür lässt, bis du endlich spürtest: “Du wirst schließlich alt”.

Nach dem erstbesten Mai-Fest, kamst du an und meintest: “Ich möcht gern ein Auto!”

Bin zu lang in Berlin, will der Großstadt entfliehn – zieh hinaus auf´s Land!

Doch, mein lyrischer Held, wie beschaffst Du nur Geld als ein Möchte-gern-Autor -

Dein Gefährt ist der Pegasus, und dein Las Vegas  – ein Schloss auf Sand!”

Jede Nacht lag ich wach und ich dacht´ lange nach: “Ach, wie komm ich zu Geld nur?”

Gründ´ ich eine Partei, geh zum Film oder werde Konzertpianist,

Nur, bei all diesem Kram – meine Schreibkunst sie kam dabei gar nicht zur Geltung

Doch der findet, wer sucht – ich versucht mich als Werbe-Konzeptionist.

Grund dafür war die kleine Annonce in einer Berliner Gazette

Hab vergessen in welcher – vielleicht in der Morgen-post, oder TAZ

Werbetexter auf Probezeit, klang gar nicht schlecht – ich griff gleich zu ´nem Zettel

Druckte schnell meinen Lebenslauf aus und fuhr damit zum Potsdamer Platz.

Schon beim ersten Gespräch wurde mir plötzlich schlecht – das war kein gutes Omen

Mein zukünftiger Boss fragte: “Sind Sie nervös?” darauf meint´ ich: “Und ob?!”

Das erquickte ihn sichtbar – er musterte mich gar von unten bis oben,

Las sich nicht mal den Lebenslauf durch, sagte: “Glückwunsch, Sie haben den Job!”

Gleich am Montag fing ich damit an, deutsche Medienwelt zu gestalten

Reimte Volksbank auf Holzklang und Gas-Prom auf Nashorn – das fiel mir nicht schwer

Tauchte ein in die seltsame Welt aus lustigen Zeilen und Spalten

Wurd´ zum Mittag sogar etwas müde und spielte wie blöd Solitär.

So verging eine Weile, bald kam ich zur Arbeit mit Fliege und Anzug,

Kaufte mir so ein modisches Deo, hab mich gar herausgeputzt,

Und so manch ´ne frustrierte Frau war gleich da, die im Job ihren Mann sucht -

Dies entging auch dem Chef nicht, er bat mich kurz zu sich und fasste sich kurz:

Es ging um ´ne Geschäftsfrau, also, sie war unsre häufige Kundin

Und es war grad ein Unding, dass sie ‘nen Vertag mit uns nicht unterschrieb

Aber andrerseits wußt´ man ja auch – diese Frau ist ´ne läufige Hündin,

Und man weiß ja aus Erfahrung: es geht ja nur darum, was bleibt unterm Strich.

“Sieh, mein Lieber, so ist es in unserem Business, ja, was dachtest Dú denn?!

Lass zu Haus die Moral, die ist hier so egal, was hier zählt ist “Success”

Was ich Dir jetzt erzähl´ ist so alt wie die Welt und steht in keinem Duden:

Die 3 F´s – nämlich “Fuck´ For the Firm”, auf die alle hier schwör´n – tja, “Sex sell´s”.

Als ich sagte, ich sei mir nicht sicher, da wußt´ ich, es wird so nichts ändern,

Mein Chef stellte mich gleich vor die Wahl “Ein Karrieresprung oder Tschüss!”

Und alsbald saß ich ihr gegenüber beim Lindenbräu im Sony Center,

Und eiskalt war die Qual meiner Wahl zwischen teuren Fünf-Sterne-Menüs.

Dann ging alles so schnell, ihr Wunsch war mir Befehl, ich trank aus und wir zahlten,

Ich erzählte ´nen schweinischen Witz und das machte sie spitz wie so ´n Stör,

Und dann nahm, wie so oft, sie für uns dieses Loft vis-á-vís im Ritz-Carlton,

Und schon bald hing an unserer Tür jenes kleine Schild: “Please, don’t desturb!”

“C´est la vie, Casanova”, erklärte der Chef, “manchmal lohnt sich der Aufwand

Die Fortuna steht nicht auf Nerds also warte nicht, wann sie dich schlägt,

Deine Aktie machte Gewinn, heut beginnt deine glänzenden Laufbahn!”

Darauf stießen wir an mit ´nem teueren Sekt – er war wahnsinnig schlecht.

Alles tat mir so leid und ich kauft´ Dir ein Kleid gleich vom ersten Gehaltscheck

Du warst glücklich – du strahltest, wie lange hab ich dich nicht mehr so gesehen

Ich war heilfroh, dass Du gar nichts weißt von dem Scheiß, in dem ich bis zum Hals steck,

Endlich konnten wir uns alles leist´n, doch um unser Glück war´s schon gescheh´n.

Jeden Tag lag ich wach und ich fragt´ mich ist das wirklich das was wir wollten?

Musste es soweit kommen? Wo ist da der Wurm?, und Was fällt uns bloß ein?

Wie es sich auch gehört hat, wurd´ ich bald befördert und über den Wolken

Schwebt ich hoch in ´nem gläsernen Turm und “die Freiheit muss grenzenlos sein.”

Klagen bringt hier nicht viel, was hier zählt ist das Spiel – alles andere nichtig,

“Irrt der Mensch, ja, solange er strebt”, ist scho´ recht – soll es glauben wer will!

Schlau werd’ ich nie daraus, denn ich geh´ wieder aus und ich treff` wieder nicht Dich,

Nein ich treff´, wie´s der Chef braucht, ne weit-re Geschäftsfrau  – tja, das ist der Deal!

Abends schleich ich mich ein an dein Bett – mach mich klein jedes mal wie ein Nachtier

Du hast Dich dran gewöhnt du liegst da, du bist schön, du schaust mich lange an,

Als ich dich dann berühr, bleib ich reglos, ich spür kein Verlangen mehr nach dir,

Stell den Wecker auf acht, sage leis´”Gute Nacht, Schatz!” und dreh mich zur Wand.

Eine Weile machst Du das noch mit, aber irgendwann wird´s Dir zu lästig,

Beide leben wir aneinander vorbei, wechseln kaum mehr ein Wort,

Und dann ist es soweit, irgendwann – und wie soll´s anders sein – Du verlässt mich

Und ziehst gleich ein bei irgend ´nem Typen, von dem ich noch nie was gehört.

Ich werd leblos und blass, komm mir vor wie ein Aß, der kaum aus seinem Loch kriecht

Auf der Arbeit erschein ich zwar noch – wie Zombi – Tag ein und Tag aus,

Eine Kundin beschwert sich beim Chef irgendwann, dass ich keinen mehr hoch krieg

Und es dauert nicht lang, bis er sagt: “So, es langt jetzt!” man schmeißt mich heraus.

Ich verschließ mich im Haus, mach das Telefon aus und greif wieder zu Dichtung,

Will nichts trinken, nichts essen, ich schreib wie besessen, hab Schlafdefizit,

Mein Verstand kommt ins Schwanken und meine Gedanken gehen nur noch in Richtung:

Frauen, Drogen, Gewalt, Schulden, Autos, Gehalt, schlechter Sex, Suizid.

Irgendwie kommt das Buch in die Hände von Einem, der meint “Ich verleg Dich,

Solche Themen braucht das Land, jetzt mal ehrlich, Du, denk drüber nach!”

Mir ist alles egal – ich steh neben mir, sage ihm einfach nur: “Leck mich!”

Nur der Typ macht ja doch was er will und so werd ich berühmt über Nacht.

Mein Gedichtband verticken schon bald überall alle möglichen Dealer

Ich komm wieder zum Leben, und gebe für jeden, der´s braucht Interviews,

Reich Ranicky ist außer sich und jauchzt hoch “Das ist der neue Schiller!”

Und bald taucht auch meine Visage auf überall in den News.

Ich schwimm förmlich im Geld, reise schön um die Welt, Frauen kommen in Horden,

Harald Schmidt, Stefan Raab, Thomas Gottschalk bestellen mich auf ihre Couch

Ich komm´ auch auf Platz eins in den Charts und ins Guinessbuch der Rekorde

Und das Bundesverdienstkreuz verleiht meinen Lorbeer´n ´den nötigen Touch.

Strassen werden nach mir benannt alles spricht nur noch von meiner Dichtung

Bei “Madame Tousau” steh ich irgendwo zwischen Van Gogh und Von Trier,

Nichts mehr gibt’s auf Welt, was mir fehlt, doch was soll ich denn nur ohne Dich tun?

Alles was ich mir heute noch wünsch´ ist ein Lebenszeichen von Dir.

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Eine Liebe, die sich nicht lohnt

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Meine Alte und ich – wir hab’n uns wirklich sehr gern,

Doch sie geht auf den Strich, um uns beide zu ernähr’n,

Denn ich hab keinen Job, hatt’ ich auch noch nie –

Ich bin ein verkanntes Genie.

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Zwischen uns steht es fest: Ich bin genial

Und an ihr ist das Beste ihr Genital –

Die Moral ist hier ziemlich egal,

Wir haben keine andre Wahl.

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Doch in letzter Zeit (glaubt’s mir oder nicht)

Krieg ich meine Alte wenig zu Gesicht,

Sie sagt, sie mache Überstunden, weil das Leben teurer wird,

Doch ich merk wie unsre Liebe ihr Feuer verliert.

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Und ich denke mir oft, wenn ich allein zu Hause hock:

Vielleicht hat meine Alte auf mich gar kein’ Bock,

Vielleicht hat sie einen Andren, oder gar zwei oder drei,

Und dann ist’s mit unsren schönen Liebe vorbei, vorbei.“

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Nein, ich will das nicht glauben und um sicher zu geh’n

Will ich mal heute Nacht nach dem Rechten seh’n:

Ich verkleid mich einwenig – bleibe quasi unerkannt

Und besuch’ meine Gute an ihrem gut besuchten Stand.

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„Hallo Baby!“ „Hallo Mäuschen, ja wie wär’s denn mit uns Zwei?“

Sie sagt: „Siehst Du dieses Häuschen – es ist grad wieder frei,

Lass mich raten, mein Kleiner, du treibst es gerne rau…“

„Ja genau für diese Hellsichtigkeit lieb ich die Frau!“

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Und dann sitzen wir da und ich werde verlegen,

Und sie sagt: „Lass Dir Zeit, Du kannst es dir ruhig überlegen,

Wir sind hier nicht auf der Uni: Blasen – Fuffi, Beischlaf – Hunni,

Extra Fuffi – ohne Gummi.“ „Meinet wegen…“

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Und dann ist es soweit und ich mach mich daran

Und sie zeigt sich erkenntlich, volles Programm.

Wir erleben Momente purer Poesie,

Dabei hab ich nur ständig ihren Po im Visier.

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Und wir treiben’s empirisch, völlig versaut,

Und dann kommt sie so tierisch, so haarsträubend laut,

Und ich denke mir nur: „Sie ist doch sonst nicht so grell,

Diese maßlose Freude, es ist sicher das Geld, das Geld!“

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Und seitdem bin ich jeden Abend bei ihr,

Und ich glaube langsam hängt sie auch an mir,

Sie ist zu mir so zärtlich – fast wie Daheim

Und vergess’ne Gefühle stellen sich wieder ein.

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Auch das leben zu Haus’ ist jetzt wieder in Takt

Und es wär’ alles bestens – wär’ da nicht dieser Fakt*,

Dass auch wenn sie uns Beiden ganz prächtig bekommt,

Diese heimliche Liebe sich nicht für uns lohnt.

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Denn das Geld, was sie von mir am Abend erhält

Bringt sie morgens nach Haus’ ihrem lyrischen Held –

Die Moral ist hier ziemlich egal,

Wir haben keine andre Wahl.

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*ausgesprochen wie „Fucked“ (engl.)

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